Seit wann essen Menschen Getreide?

Menschen und Getreide: Die „Paleo-Diät“ ist ein großer Trend: Wir sollen demnach mehr Fleisch essen und stattdessen Milchprodukte und Getreide weglassen, doch seit wann essen Menschen Getreide?! Essen wie in der Steinzeit, das ist die Idee. Aber haben Steinzeit-Menschen wirklich vor allem Pflanzen und Fleisch gegessen?

Vor 100.000 Jahren, als der Moderne Mensch sich entwickelte, lebten unsere Vorfahren als Jäger und Sammler. Sie jagten, was es in ihrem Klima zu jagen gab und wenn die Jagd nicht erfolgreich war, lebten sie von den Pflanzen, die sie fanden: Nüsse, Wurzeln, Früchte, Pflanzen und – Körner.

Forscher gehen davon aus, dass eines schon richtig ist: Das Fleisch ebnete uns den Weg zum Modernen Menschen. Wir konnten in Gruppen Fleisch in großen Mengen jagen und es durch Kochen am Feuer leichter verdaulich zu machen. So erhielten wir gut aufschlüsselbare, dichte Nahrung. Also doch Fleisch über alles? Vielleicht. Vielleicht nicht. Denn wieviel Fleisch wirklich gegessen wird, ist bei Jäger und Sammler-Gesellschaften sehr unterschiedlich. Während die Inuit in Grönland sich über Generationen hinweg fast nur von Fleisch ernährten, liegt bei Jäger und Sammlern wie den Hadzabe in Tansania der Anteil an Fleisch in der Ernährung nur bei etwa 30 Prozent.

Pflanzen eine sehr wichtige Nahrungsquelle

70 Prozent der Ernährung bestand also aus Pflanzen. Und zum pflanzlichen Teil der menschlichen Ernährung gehört Getreide offenbar schon lange dazu. Die Forscherin Amanda Henry vom Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat Stärke-Spuren an fossilen Zähnen und Steinwerkzeugen gefunden, die darauf hinweisen, dass Menschen Körner und stärkehaltige Wurzeln schon vor 100.000 Jahren zu sich genommen haben. Nur: Soviel Getreide wie wir heute haben, hatten diese Menschen längst nicht. Erst als sich die Landwirtschaft im Neolithikum vor 10.000 Jahren entwickelte, wurde Getreide plötzlich zur Hauptmahlzeit. Die Menschen tauschten diese eher einseitige, aber zuverlässige Nahrungsversorgung ein gegen die vielseitige Diät der Jäger- und Sammler.

Die Zucht von Weizen, Mais und Reis ermöglichte es plötzlich, eine zunächst gleichbleibende Menge an Essen selbst herzustellen. Die Ernährung basierte nach kurzer Zeit vor allem auf diesen selbst angebauten, stärkehaltigen Pflanzen – tagein tagaus. Damit stiegen die Geburtenraten, aber auch die Anzahl der Krankheiten. Allen voran findet man bei diesen Menschen eine Krankheit, die wir heute gut kennen: Karies.

Vom Jäger zum Sammler

Während Jäger- und Sammler weder Herz-Kreislauf-Krankheiten noch Diabetes kannten, entwickelten sich unter den Sesshaften zudem die auch noch heute bekannten Zivilisationskrankheiten. Solche Entwicklungen sind immer noch sichtbar, z.B. bei den Inuit, die Übergewicht und Zivilisationskrankheiten entwickeln, seit sie Zugang zur westlichen Ernährung haben. Was bleibt? Es ist es uns Menschen grundsätzlich gegeben, Stärke zu verdauen. Die Fähigkeit ist jedoch unterschiedlich ausgeprägt und offenbar genetisch festgelegt. Völker, die traditionell mehr Getreide essen, wie z.B. die Hadza in Tansania, sind mit anderen Genen ausgestattet als die Fleisch essenden Völker im hohen Norden. Der eine Speichel kann Stärke besser aufspalten als der andere, eine Eigenschaft, die sich vererbt.

Wie bei Fleisch gilt außerdem auch bei Getreide: Menschen sind sehr anpassungsfähig und daher sehr unterschiedlich. Wir werden geprägt von unseren Vorfahren, was unsere ideale Ernährung angeht. Viel wichtiger scheint es zu beachten, wie wir heute leben. Wenn wir vorwiegend am Schreibtisch sitzen, brauchen wir schlicht viel weniger Energie als einer unserer Ahnen, die pro Jahr bis zu 6000 km zurücklegten, um ihr Essen zu finden oder zu erjagen. Sowohl Fleisch als auch Getreide haben zur menschlichen Ernährung schon immer dazugehört –  wieviel wir davon aßen und essen sollten, ist jedoch individuell sehr unterschiedlich.

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